Azimut Futur #18#0002: C̵̙̈̂y̴̢̽̈b̶͙̩̌̕ę̸̛̹r̸̺̓p̷͔̑̽ų̴̘͛n̴͍̽͆k̸̖̜̽̎

~ Ein Newsletter für und über die Zukunft ~

Wer mich etwas näher kennt oder mir auf Twitter folgt, der weiß, dass ich eine große Schwäche für Cyberpunk habe. Also oftmals ziemlich pessimistische und melancholische Science-Fiction-Werke, die in Welten spielen, die von abgelebten Megastädten, desolaten Regierungen, übermächtigen Konzernen, allgegenwärtiger Werbung und High-End-Technologien geprägt sind, die der Menschheit und vor allem dem Individuum aber oftmals eher schaden als nutzen. Der Grund für meine Liebe zu diesem Sci-Fi-Sub-Genre rührt wohl daher, dass ich mit der Neuromancer-Reihe von William Gibson, den Kurzgeschichten von Philip K. Dick, Filmen wie Blade Runner, Robocop, Ghost in the Shell, Akira und der Alien-Reihe (ja, auch die ist bei genauerer Betrachtung Cyberpunk) aufgewachsen bin.

Was erstaunlich ist: Der Cyberpunk flammt wieder in groß beachteten Medienwerken auf, aber hat dennoch, so scheint es, in den vergangen Dekaden nahezu keine nachhaltigen Veränderungen durchlebt. Sei es die Netflix-Serie Altered Carbon, Duncan Jones' Mute, Gabe Ibáñez' Automata, die neuen Teile der Deus-Ex-Reihe oder das kommende Cyberpunk-2077-Game: Abgesehen von Franchise-spezifischen Eigenheiten wabert in all diesen Genre-Auskopplungen ein untergründiger 80er- und 90er-Jahre-Duktus.

Die Serien, Filme und Videospiele adaptieren die gleichen Stilmittel, Looks, Klischees, Tropes und gerne auch Technologieästhetiken, die ihre literarischen und filmischen Vorbilder vor fast 40 Jahren gesetzt haben. Aber nicht zuletzt rotieren sie um die gleichen Themen und Problemstellungen: Der Wert und Selbsterkenntnisstatus von künstlichem Leben, die Verschmelzung von Mensch und Maschine, Künstliche Intelligenz und Hacker als die große Gefahr, die Aushöhlung der Staatsmacht durch Konzerne, die ungleiche Verteilung von Reichtum, Einfluss und dadurch Leben und Lebensqualität.

Damit wirken diese Werke vielfach anachronistisch; wie aus der Zeit gefallen. Beinahe als hätten sie sich selbst überlebt. Insbesondere wenn man bedenkt, dass 2019 das Jahr sein wird, ist dem die düstere Zukunft von Blade Runner angesiedelt ist. In gewisser Weise ist es aber auch wirklich so: Das Gros des Cyberpunk-Genre hat seine Tauglichkeit als Zukunftsvision verloren – und schafft es nicht, nach vorne zu blicken, neue Entwicklungen und Zukünfte zu prophezeien oder vor politischen und gesellschaftlichen Tendenzen zu warnen. Stattdessen stellen die Welten, die diese Filme, Bücher, Serien und Games zeichnen, einen metaphorischen Spiegel unserer jetzigen Gegenwart dar.

Die von Neon-Schriftzügen, LED-Wänden und holographischen Werbeanzeigen gepflasterten Städte von Blade Runner, Altered Carbon und Ghost in the Shell sind Wirklichkeit: Unsere Wirklichkeit. Zumindest im übertragenen Sinne. Die allgegenwärtige Werbung, die sich invasiv in unser Blickfeld drängt, ist da: Nämlich auf den Bildschirmen, die wir in Form von Smartphones und Tablets stets vor uns hertragen. Multinationale Megakonzerne sind mit Amazon, Google, Facebook, Apple, Tencent und Alibaba ebenso real. Und sie sind genauso janusköpfig und mächtig wie ihre Vorbilder: Sie produzieren Smartphones und betreiben unabdingbare Kommunikationsplattformen, stellen uns kostenlose Email-Postfächer und Messenger bereit und ermöglichen ein angenehmes Online-Shopping. Aber gleichzeitig überwachen sie uns, forschen an KI-Waffen, Gesichtserkennungssystemen oder sammeln und bewerten sogar personenbezogene Daten für Regierungsstellen. Gleichzeitig buhlen Städte und Staaten darum, diese Konzerne beheimaten zu dürfen.

Natürlich können wir uns heute auch schon Chips unter die Haut implantieren lassen, was erste Unternehmen nun nutzen wollen, um ihre Angestellten zu kontrollieren – die das auch noch gerne mitmachen. Ebenso wie einige Schweden, die mit den kleinen Chip-Kapseln ihren Ausweis ersetzen. Wir haben Virtual-Reality-Brillen und Debatten darüber, wie und ob diese als Folterwerkzeuge eingesetzt werden könnten. Kryptowährungen wie Bitcoin, Ether und EOS unterlaufen das Bankensystem und staatliche Kontrollen – machten einige zu Millionären und kostete andere hingegen ihr hart erspartes Geld. Und in chinesischen Metropolen wie Shenzhen und Peking akzeptieren Bettler und Obdachlose nicht mehr nur Bargeldspenden, sondern auch Mobile-Payments über WeChat-QR-Codes. That's as cyberpunk as it gets.

Auch nahezu ausschließlich aus dem Netz heraus befeuerte gesellschaftliche Bewegungen wie #metoo, die #gamergate-Debatte, die Far-Right- und Pegida-Bewegungen sind total cyberpunk – vor allem, wenn man auf die 90er-Jahre-Comic-Reihe Transmetropolitan zurückblickt, die als eine der ersten Medien beschrieb, wie ein Online-Artikel eine Milliardenstadt in Aufruhr versetzten kann. Und... sind unsere Smartphones mit all ihren Funktionen und Möglichkeiten nicht sogar ausgelagerte kybernetische Implantate, die unsere Fähigkeiten erweitern? Nicht zuletzt wenn man bedenkt, wie hilflos wir werden, wenn der Akku zur Neige geht.

Will sagen: Wir steuern nicht nur auf eine Cyberpunk-Zukunft zu. Wir leben bereits in einer. Selbst wenn die Städte weniger dreckig, der Regen weniger sauer und die Dichte der Flugtaxis heute noch vergleichsweise dünn ist. Das lässt allerdings auch fragen, ob und wie die Zukunft des Cyberpunk ausschauen kann und sollte – das sich heute offensichtlich onst alleinig im repetitiven Aufguss bekannter (wenn auch unwahrscheinlich cooler) Stilelemente und Symbole ergeht. Denn auch wenn die Geschichten nun irgendwie aktueller und unmittelbarer denn je sind, nimmt sich das Genre dadurch auch die Option, zu warnen, zu ermutigen und die Zukunft mitzugestalten – wie es Blade Runner, Neuromancer und andere frühe Cyberpunk-Werke taten. Es verliert seine Relevanz und seinen Status. Das stellte auch Paul Walker-Emig im Guardian fest.

Nobody has yet imagined a way out of the typical cyberpunk dystopia, however, which is surely a symptom of a creative block. (…) Familiar themes are there, but they don’t parse as important. The idea of the rich being able to buy de facto immortality by reinserting their consciousness into new bodies is a useful premise for a locked-room detective mystery, rather than a lever for thinking about inequality. Subjects such ascorporate power and urban destitution become equivalent to neon lights or hair dye.

Walker-Emig fordert, dass Cyberpunk wieder an die „utopische Tradition“ des Science Fiction anknüpfen sollte, um neue, aktuelle und zukünftige Felder zu erkunden. Aber: Eigentlich passiert genau das auch jetzt schon. Wenn auch mit einigen Jahrzehnten an Verzögerung. Nur noch nicht auf den großen Leinwänden und kleinen Bildschirmen, sondern auf bedrucktem Papier und E-Readern – wo es noch nicht so sichtbar ist. Schon seit einigen Jahren nehmen sich nämlich junge und noch vielfach unbekannte Autoren mit diversesten Hintergründen des Genres an, verbiegen und dekonstruieren es, entwickeln es weiter und machen es sich gänzlich zu eigen. Sie erkunden Mensch-Maschinen-Liebe, Religion, Gender, Extremismus, Metafelder der Popkultur und das Genre selbst – und erschaffen dabei nicht immer sofort allzu elegante aber spannende Werke, die irgendwann eine ebenso nachhaltige Wirkung haben könnten wie Blade Runner und Neuromancer.

Beispiele? … gleich hier.


Lesetipps

The Private Eye ist eines der merkwürdigsten Cyberpunk-Werke, das ich bisher gelesen habe. Eigentlich spielt es nämlich in einer Post-Cyber-Ära. Denn in der zehnteiligen Graphic Novel von Marcos Martín ist die Cloud geplatzt – und hat alle privaten Informationen publik gemacht. Aus Schock wurde das Internet abgestellt und Journalismus zur Straftat erklärt. Menschen verstecken ihre Gesichter hinter Masken und keiner führt öffentlich noch Gespräche. In dieser Zeit verdingt sich P.I. als Möchtegern-Paparazzi, der gegen Geld Informationen über einzelne Personen besorgt, was ihm einiges an Ärger einbringt. Die ganze Reihe gibt’s für einen Zahl-was-du-willst-Preis beim Panel Syndicate.

Ich weiß nicht genau wie... aber irgendwie hat es Ren Warom geschafft, mit Escapology einen Roman abzuliefern, der sich liest, als hätte der Annihilation-Autor Jeff VanderMeer sich im Drogenrausch für William Gibson gehalten. Im Zentrum der Geschichte steht Shock Pao, ein Cyber-Dieb, der im Slip-Netz alles besorgen kann – aber trotzdem dauerhaft pleite ist. Als seine Ex-Freundin Mim ihn für einen Job anwirbt, nimmt daher er an. Dann wird alles schnell sehr bizarr. Eine Super-Attentäterin, eine künstliche Insel und digitale Haie, die sich in der realen Welt materialisieren, kommen vor. Denn Warom stibitzt Ideen bei Mangas und Animes, mashed up, verdreht die Roman-eigene Logik und erschafft dadurch einen herrlich bekloppten Trip, der zwar nicht immer Sinn ergibt aber verdammt mutig und spaßig ist.

Ein Atomwaffenanschlag vernichtet Israel und entvölkert weite Teile des nahen Ostens. Jahrzehnte später haben Regierungen ihre Macht an riesige Konglomerate abgegeben, die über gigantische Kuppelstädte herrschen, die ein reglementiertes aber angenehmes Leben ermöglichen. Die junge Mutter Shira lebte in einer davon – bis ihr Sohn ihr entrissen wird. Sie flieht daraufhin zu ihrer Großmutter in eine freie Siedlung und wird Teil eines Forschungsprojektes. Die Abtrünnigen haben einen Roboter konstruiert, der Emotionen empfinden kann. Doch dessen Existenz bleibt nicht lange geheim. Ja, auch Marge Piercys Er, Sie und Es ist Cyberpunk aber nutzt den Genre-Rahmen, um über Rassismus, Sexismus, Privatisierungstendenzen und sogar religiöse Mythen zu meditieren.

Im Jahr 2144 treibt eine Medikamentenfälscherin ihr Unwesen. Der Regierungsagent Elias ist mit seinem Roboter-Kollegen Paladin hinter ihr her. An sich nichts besonderes. Aber während ihrer Ermittlungen verliebt sich Elias in Paladin, der diese Gefühle weder richtig einzuordnen und schon gar nicht zu erwidern weiß. Denn der Roboter hielt sich stets für männlich und irgendwie heterosexuell aber stellt das nun infrage. Zudem ist Paladin ein Kampfmodell aus Stahl, Blech und Karbon, das nicht gerade für Intimitäten und Zärtlichkeiten, sondern das Töten und Kämpfen konstruiert worden war. Autonom von Annalee Newitz ist anders, intelligent und vielfach amüsant – auch wenn sich der Roman stellenweise etwas holprig liest und den ein oder anderen Faden verliert.


Schautipps

Der Netflix-Streifen Extinction ist in diesem Jahr ziemlich untergegangen. Etwas zu Unrecht, wie ich meine. Denn auch wenn der Science-Fiction-Film nicht gerade eine Ausgeburt an Cleverness ist, so versucht der Regisseur Ben Young doch damit eine ambitionierte und trickreiche Tech-Story zu erzählen. Die beginnt mit dem Ingenieur Peter, der bizarre Albträume von einer Alien-Invasion hat – nicht als einziger, wie er feststellt. Dann werden seine Albträume zur Wirklichkeit. Er versucht seine Familie vor den befremdlich ausschauenden Angreifern zu retten, die mit schwerbewaffneten Schiffen und Bodentruppen anrücken. Extinction kommt dann mit einigen schönen Twists daher, die nicht ganz unvorhersehbar aber gut inszeniert sind.

Extinction ist auf Netflix verfügbar.

Wenn ihr gerade sechs Minuten Zeit habt, schaut euch Progress Bar von Peter McCoubrey – der schon Grey Matter und Therefore I Am produziert hatte – an. Der Kurzfilm dreht sich um eine junge Frau, die ihr Abo für einen Virtual-Reality-Dating-Service kündigen will. Das soll ihre KI-Assistentin Lexi für sie übernehmen. Das Interessante: Die Story stammt von einem Menschen. Die Dialogzeilen der KI-Assistentin hat hingegen eine Künstliche Intelligenz getextet. Und die sind dadurch zum Teil amüsant absurd und damit nah an den Erfahrungen, die viele mit Alexa und Siri gemacht haben dürften.

Ihr habt A Quiet Place gesehen? Okay, sehr gut. Bird Box ist der gleiche Film … nur irgendwie umgekehrt. Der basiert auf dem gleichnamigen Roman von Susanne Bier, in dem in den USA (und möglicherweise auch dem Rest der Welt) plötzlich sonderbare Selbstmorde und Massenhysterien ausbrechen. Wie sich herausstellt, werden diese von Kreaturen verursacht, die sich, wenn sie angeblickt werden, als die schlimmste eigene Angst manifestieren. Wer sie also nicht sieht, der hat zumindest eine kleine Chance. Die werdende Mutter Malorie Shannon schließt sich in all dem Chaos einer Gruppe von Überlebenden an, bekommt ihre Kinder aber muss sich bald mit diesen alleine durchschlagen – und das immer mit einer Binde über den Augen. Ich glaube, das könnte gut werden.

Bird Box startet heute auf Netflix

Für WIRED hatte ich vor kurzem noch eine kleine Liste mit Serien zusammengestellt, die, wie ich denke, ganz gut geeignet sind, um ins neue Jahr zukommen. Darunter sind The Terror, Spuk in Hill House, Cobra Kai und auch einige tolle Science-Fiction-Produktionen wie Kiss Me First, Dimension 404, Counterpart und die erstaunlich schaubare Youtube-Serie Origin.


News und Artikel

Diese Menschen sind nicht echt

Die Entwickler des Grafikkartenherstellers und Technologieunternehmens Nvidia hatten erst vor kurzem eine Möglichkeit vorgestellt, mittels eines neuronalen Netzwerkes aus simplen Videoaufnahmen, 3D-Objekte und gar ganze Umgebungen zu generieren. Jetzt hat ein weiteres Team eine Künstliche Intelligenz darauf trainiert, fotorealistische Portraits von Menschen zu generierenMenschen, die es nicht gibt aber nicht von realen Personen zu unterscheiden sind. Ganz ohne Hilfe gelang das jedoch nicht. Denn die KI hangelte sich bei der Erschaffung der Fake-Menschen an sogenannten Styles entlang, die die Wissenschaftler festgelegt hatten. Das sind etwa Frisuren, Gesichtsformen, Haltungen bis hin zu Haarfarben und Augenstellungen, die das KI-System variierte. Die Ergebnisse? Durchaus beeindruckend.

Aber wozu das alles? Nun, im Bereich der Entwicklung von Computerspielen und Filmproduktion könnte diese Technik gut Einsatz finden, um beispielsweise bei digital erstellten Massenszenen möglichst viele unterschiedliche Gesichter zu zeigen – und keine Klon-Armeen wie in Videospielen wie der Assassin's-Creed- oder Grand-Theft-Auto-Saga. Auf Reddit und 4Chan wurde hingegen spekuliert, dass sich hiermit natürlich reihenweise einzigartige Fake-Portraits für Troll-Accounts in sozialen Netzwerken erstellen ließen.

Wenn die Kuh vom Schlachtvieh zum Haustier wird

Vor einiger Zeit hatte ich für WIRED.de mit dem Lebensmittelforscher Mark Post gesprochen, der 2013 den ersten Burger mit Labor-Fleisch entwickelt hatte – der kostete seinerzeit 300.000 US-Dollar. Mittlerweile ist Post der Kopf hinter dem Start-up Mosa Meat, das Fleisch ohne Tiere und Schlachtung zum Standard machen will. Schon bald ließe sich mit mittels Zellkulturen in nur zwölf Wochen genug Fleisch für 100.000 Burger herstellen – für nur zehn Euro pro Fleischscheibe. Dennoch glaubt Post, dass es noch Jahrzehnte braucht, bis die Nahrungsmittelindustrie vom Schlacht- zum Kulturfleisch schwenkt.

Was uns Science Fiction über Kulturen und Nationen verrät

Zeig mir deine Science-Fiction-Geschichten, und ich sag dir, wer du bist... ja, okay, ganz so nicht. Aber doch irgendwie schon. Tom Cassauwers hat für die BBC einen feinen Artikel darüber verfasst, auf welche Weise sich europäische, US-amerikanische, russische, chinesische und afrikanische Science-Fiction-Visionen unterscheiden – und was uns das über diese Gesellschaften, Kulturen und deren futuristsche Träume sagen lässt.

And the new movement is wide-ranging, including everything from Russian science fiction – with a history reaching back into the 19th Century – to Afrofuturism, a movement rooted in experiences of black oppression. It covers Chinese books dealing with revolutionary history and aliens, to futurist Mexican movies about migration and free trade.

Ein Gespräch mit Dmitri Gluchowski

Mein letzter Text für WIRED Germany war einer, der mir besonders viel Freude gemacht hat. Denn: Ich hatte Gelegenheit, mit Dmitri Gluchowski zu sprechen – dem Autor der Metro-Reihe, FUTU.RE und Text. Mit ihm habe ich über eine Stunde darüber gequatscht, wie das Smartphone unser Leben verändert hat, wie es sich weiterentwickeln könnte, ob er Computer-Hirn-Schnittstellen für machbar und sinnig hält und wieso er glaubt, dass die Menschheit irgendwann unsterblich werden wird und sogar sollte.

Auch im Jahre 2029 „wird es die Geräte geben, die du aus deiner Tasche ziehst oder am Arm trägst“, welche Form sie dann auch haben mögen. „Manchmal willst du das dann einfach weglegen können, da es einen auch auslaugt“, sagt Gluchowski. „Diese Geräte bedeuten schließlich auch einen Zwang und eine Verpflichtung, immer sozial, erreichbar und verfügbar zu sein – dafür ist der Mensch nicht geschaffen.“ Auch eine Augmented-Reality-Brille, „die die Informationen und Daten näher an mich heranbringt, erscheint mir realistisch – auch weil du sie abnehmen und weglegen kannst.“ Alles andere, ob nun der Chip im Kopf oder eine andere Datenleitung direkt in den Körper, „wäre pure Folter, die jene, die sie annehmen, schnell bereuen“ würden.

Meine fantastische Kollegin Cindy Michel hat wiederum in die Zukunft der Sexualität geschaut – und wie Sex und Technologie verschmelzen. Dafür hat sie mit der Erotikforscherin Mal Harrison gesprochen, die vor allem denkt, dass der Sex of the Future „Leidenschaftlich. Geil. Und im besten Falle sehr viel unproblematischer als heutzutage“ ausfallen wird.


Hörtipp

Die Blockchain wird als Allheilmittel für alle möglichen Probleme gehandelt. Das geht mir mittlerweile ziemlich auf den Nerv. Denn obschon ich die Blockchain selbst für eine vielfach geniale Technologie halte, so habe ich doch große Zweifel an einem Gros der derzeitigen Blockchain-Projekte, die über ICOs Millionenbeträge einsammeln oder schon eingesammelt haben. Nicht zuletzt da die Entwickler oftmals Probleme adressieren, die es nicht gibt oder durch die Blockchain lediglich kaschiert und verlagert werden. Eben darüber hat Philip Banse im Deutschlandfunk mit einer kleinen Expertenrunde debattiert, Technologie zwischen Hype und Hohn.

Als vor einigen Jahren die Technologie der Blockchain erfunden wurde, erwarteten sich manche davon gewissermaßen die Lösung aller gesellschaftlichen Probleme. Ein radikal-demokratischer, libertärer Traum – doch der Hype scheint vorbei.


Worte zum Schluss

Wow! Ich hätte nicht gedacht, dass überhaupt irgendwer meinen kleinen Newsletter abonnieren würde. Aber nun sind bereits weit über 100 Leute. Und darunter auch einige, deren Publikationen, Texte und Meinungen ich sehr schätze. Vielen Dank für eurer Vertrauen. Ein besonderer Dank geht dabei noch an Christian Schiffer, der kräftig für meinen Newsletter trommelt hat, René Walter, der mich auf Nerdcore.de erwähnte (werft ihm hier einige Euro in den Hut) und Dirk von Gehlen, der mich zusammen mit 10 Questions For The Future bewarb. Toll. Ich bin begeistert.

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